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Die Anzahl der Lutheraner im Kirchspiel Bawinkel war bis in das 20. Jahrhundert sehr gering. 1816 zählte man nur 5 und 1846 erst 9 Lutheraner, die kirchlich zur kleinen lutherischen Gemeinde in Lingen gehörten.
Dies änderte sich schlagartig, als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und nach Kriegsende auch im damaligen Landkreis Lingen tausende von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten untergebraucht werden mussten, darunter sehr viele Lutheraner. Die meisten von ihnen wurden zunächst einmal in den Landgemeinden untergebracht, darunter viele im Kirchspiel Bawinkel. So lebten hier plötzlich mehrere hundert Lutheraner, die alle von der bis dahin recht kleinen lutherischen Kirchengemeinde in Lingen betreut werden mussten. Da die Kirche in Lingen viel zu klein und für Gläubigen unter den schwierigen Zeitumständen auf kaum zu erreichen war, fanden bald in der lutherischen Kapelle in Brögbern sowie in Sälen und Schulräumen in Bawinkel, Bramhar und Plankorth lutherische Gottesdienste statt. Insgesamt gab es 1947 im Lingener Kreisgebiet 31 solche lutherische Gottesdienststationen.
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 Landesbischof Dr. Hans Lilje und Pastor Mundt bei der Einweihung der Petruskirche in Bawinkel am 12.02.1950 Foto: Archiv Johannes Leuchtenberger |
Im Mai 1947 übernahm Pastor Heinz Mund, gebürtig aus Riesenburg in Westpreußen und zuletzt Pastor von Skottau-Thalheim im Kreis Neidenburg in Ostpreußen, den Seelsorgebezirk Bawinkel. 1947 waren unter seinen rund 750 Gemeindemitgliedern etwa 700 Flüchtlinge. Von 1945 bis 1949 wurden die Gottesdienste behelfsmäßig in den Volksschulen abgehalten. Da die Klassenräume aber die vielen Gläubigen nicht aufnehmen konnten, wurde schon bald der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus laut. Ende der 40er Jahre waren schon über 900 Lutheraner im Einzugsgebiet von Bawinkel ansässig.
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Nach verschiedenen Eingaben erhielt die Flüchtlingsgemeinde Bawinkel von der amerikanischen Sektion des lutherischen Weltbundes 1949 eine größere Spende zum Bau einer skandinavischen Holzkirche. Ein der lutherischen Gemeinde gehöriges Grundstück war bereits vorhanden. Die lutherische Kirche in Bawinkel wurde am 12. Februar 1950 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Landesbischof Dr. Hanns Lilje, Hannover, und Pastor Mundt eingeweiht. Sie erhielt den Namen Petrus-Kirche. Den Entwurf für die Kirche |
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lieferte der bekannte Hamburger Architekt Otto Bartning, dessen Typenbauten aus vorgefertigten skandinavischen Holzbauteilen damals in vielen Orten errichtet wurden. Solche "Bartning-Kirchen" stehen noch heute u.a. in Leschede, Dalum, Sögel, Werlte und Neuenhaus. Mittlerweile wurden einige sogar unter Denkmalschutz gestellt. Die Kirche in Bawinkel gilt als das besten erhalten Beispiel dieser Art im Emsland.
Mit Wirkung zum 1. Oktober 1950 wurden die lutherischen Seelsorgebezirke Emsbüren, Bawinkel und Wettrup, die bisher rechtlich
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noch zur Kirchengemeinde Lingen gehört hatten, in selbständige Kapellengemeinden umgewandelt.
Doch mit der Entstehung der Erdölraffinerie und anderer Industriebetriebe sowie dem Bau von neuen Wohnsiedlungen in Lingen zogen viele Flüchtlinge und Vertriebe aus den kleinen Landgemeinden bald in die Kreisstadt Lingen oder wanderten in die Industrieregionen ab, wo sie leichter Arbeit finden konnten. Bald nahm die Zahl der Lutheraner in Bawinkel wieder ab. So musste Pastor Mundt 1952 auch die Kapellengemeinden in Wettrup und Biene-Holthausen übernehmen, blieb aber in Bawinkel wohnen.
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Später bezogen dann Pastor Martin Klein und zuletzt Pastor Wolthoff das Bawinkeler Pfarrhaus. 1957 erhielt die Kapelle noch einen kleinen Anbau.
Am 1. Januar 1961 wurde die lutherische Kirchengemeinde Brögbern gegründet. Mit der Einweihung der Christuskirche an der Sandbrinker Heide im Jahre 1972 wurde das Gemeindezentrum mit dem Pfarrhaus von Bawinkel nach dorthin verlagert. Die Petruskirche und die 1957 in Biene-Holthausen gebaute Kapelle blieben Predigtstellen der neuen Gemeinde, denn die Kapellengemeinden von Bawinkel und Biene gingen in der Kirchengemeinde Brögbern auf.
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Pastorin Edeltraud Sänger von der Christuskirchengemeinde Brögbern betreut gegenwärtig auch die lutherischen Gläubigen in Bawinkel. Alle 14 Tage wird in der Petrus-Kirche auch ein Gottesdienst gefeiert, während die eigentliche Gemeindearbeit in Brögbern stattfindet.
 Collage mit den beiden Bawinkler Kirchen
Aus: Festschrift und Chronik 100 Jahre Schützenverein Bawinkel-Plankorth e.V. nach der Neugründung, Herausgeber: Schützenverein Bawinkel-Plankorth e.V., Juni 2007
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