Heimatverein

Kirchspiel Bawinkel e.V.

 
Auf den Spuren des Heiligen Alexander ...
... Halbtagesfahrt des Heimatverein Bawinkel 2006
 
 

 

 


Fotos: Hermann Heitker
Die Katholische Kirchengemeinde St. Alexander- in Bawinkel feiert in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen ihrer Pfarrkirche. Auch die Vorgängerkirchen hatten den heiligen Alexander als Kirchenpatron.
Der Legende nach war Alexander einer von sieben Söhnen der Märtyrerin Felizitas.
Er und seine Brüder sollen während der Christenverfolgungen, um das Jahr 165, in Rom hingerichtet worden sein.
Im Jahre 850 reiste Graf Waltbert, ein Enkel des Sachsenherzogs Widukind, nach Rom, um dort von Papst Leo IV. die wundertätigen Reliquien des hl. Alexander zu empfangen. Da sich die Bekehrung zum Christentum im Norden als schwierig erwies hoffte man, das sichtbare Heilsmittel der Missionsarbeit förderlich seien.

Die Reise führte von Holland kommend über Nordhorn, Schepsdorf, (dort musste man mit einer Fähre über die Ems setzen) Wallenhorst nach Wildeshausen.
Hier hatte Graf Waltbert ein Kanonikerstift gegründet. Die Gebeine fanden in der dortigen Kirche Aufnahme.
Während der Reise geschahen viele Wunder. So wurde Wildeshausen schon früh zu einem Wallfahrtsort. Viele Pilger kamen aus Holland. Man ging aber nicht mehr über Wallenhorst, sondern benutzte die "Vlamsche Straat". Dieser alte Fernhandelsweg führte von Amsterdam nach Lübeck. An diesem Pilgerweg wurden die Kirchen in Schepsdorf, Bawinkel und Wildeshausen dem heiligen Alexander geweiht.

Der Heimatverein Kirchspiel Bawinkel folgte diesen Spuren und besuchte mit ca 35 Personen die Stadt Wildeshausen.
Bei der Alexanderkirche wurden wir vom dortigen Küster empfangen. Er führte die Gruppe dann auch durch die Kirche und berichtete über deren wechselvolle Geschichte. Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut und hat mindestens zwei Vorgänger. Sie ist die einzige spätromaische Kirche im Oldenburger Land. Während der Reformation wurde die Kirche von den Schweden eingenommen und deren Ausstattung und die Reliquien des hl Alexander entfernt bzw. zerstört. Die geretteten Teile wurden später nach Vechta verbracht. Nach mehreren Konfessionswechseln .wurde die Kirche dann 1699 evangelisch-lutherisch.
Der Turm brannte infolge eines Artilleriebeschusses 1945 vollständig aus Er wurde aber in den Jahren danach in alter Form wiedererrichtet. Durch die Renovierung von 1907- 1910 kam der damals übliche Jugendstil in die Kirche hinein. In den Jahren 2000-2004 wurde sie vollständig restauriert und Jugendstilmalereien von 1910 wieder freigelegt.

Das direkt an die Kirche anschließende Kapitelhaus, oder Remter genannt, ist über 1000 Jahre alt. Hier wohnten die Stiftsherren in klosterähnlicher Gemeinschaft. Seit dem 12 . Jahrhundert unterhielten sie hier auch eine Stiftsschule. Heute wird der Remter von der ev, Kirchengemeinde für die Jugendarbeit genutzt.
Nach dem Kaffeetrinken im "Alten Amtshaus" führte uns eine Gästeführerin zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Über den Stadtwall, auf der sich die alte Stadtmauer befand, ging der Weg an der Hunte entlang zum Stadtpark und zum Burgberg, Hier befand sich bis zum 17. Jh. die Burg der Grafen von Oldenburg-Wildeshausen. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf den Kurpark. Die kath. Kirche St Peter wurde 1823 erbaut. Die Ausstattung ist für eine kath. Kirche ungewöhnlich schlicht gehalten. Danach wurde noch der Ratssaal im alten Rathaus aus dem 13. Jahrhundert besichtigt. Im dreißigjährigen Krieg wurden hier Gottesdienste abgehalten. Es wurde gründlich renoviert und es können wieder Ratssitzungen, Ausstellungen u. Vorträge abgehalten werden.

Der Rundgang endete beim 1990 neu errichteten Stadthaus. An seinem Giebel befindet sich das Glockenspiel mit 23 Bronzeglocken und einem Figurenumlauf der eindrucksvoll die Geschichte der Stadt darstellt. Der Jahreszeit entsprechend erklingen verschiedene Melodien. Mit Erklingen des Glockenspiels um 18.00 Uhr verabschiedeten wir uns von der Gästeführerin und der schönen Stadt Wildeshausen.

Heinrich Behlmann